Weibliche Libido in den Wechseljahren
(Oder: Warum mir nichts fehlt – außer Geduld für Gebrauchsanweisungen)
Meine Libido in den Wechseljahren
verhält sich ungefähr wie die Silverstar-Achterbahn im Europa-Park.
Früher:
erste Reihe, Arme hoch, Kreischen, nochmal, nochmal.
Heute:
Ich stehe davor, lese das Schild
„Achtung: extreme Beschleunigung“
und denke:
„Für wen oder was genau eigentlich?“
Und das Erstaunliche daran:
Mir fehlt nichts.
Gar nichts.
Was mir heute gnädig erspart bleibt
Ich muss niemandem mehr erklären:
„Nein, nicht da.“
„Doch, weiter links.“
„Nee, das ist jetzt ehrgeizig.“
„Bitte hör auf und kuck nicht so, als würdest du gerade etwas Braunes ins Porzellan drücken.“
Es gibt Männer, die rallen es nie.
Und es gibt diese tapferen, lernwilligen Azubis,
die mitschreiben, nachfragen
und trotzdem jedes Mal wieder danebenliegen.
Aber selbst Azubis sind Arbeit. Mein Geselle hat glücklicherweise ausgelernt.
Denn meine Libido hätte aktuell
keinen Bock auf Fortbildungen.
Kurzer Faktenblock (damit wir nicht komplett eskalieren)
In den Wechseljahren passiert Folgendes:
Östrogen sinkt → weniger Durchblutung, weniger Reiz
Testosteron sinkt → weniger „Och ja, warum nicht“
Progesteron geht → Schlaf, Nerven, Geduld sagen Tschüss
Der Körper schaut nüchtern auf den Lebenslauf und sagt:
„Fortpflanzung erledigt. Nächster Programmpunkt: Ruhe.“
So. Wissenschaft abgeschlossen.
Zurück zum Wahnsinn.
Der Moment, in dem ich es begriffen habe
Ich sah ein frisch gebadetes Baby.
Es roch lecker.
Es war süß.
Und ich dachte nicht:
„Gib her.“
Ich dachte:
„Schön für dich. Bleib bitte dort.“
Früher hätte ich es mir direkt geschnappt.
Heute beobachte ich Babys
wie Pandas im Zoo:
niedlich, faszinierend,
aber bitte nicht anfassen.
Da wusste ich:
Hier hat sich was verschoben.
Meine Libido heute – ein kulinarischer Zustandsbericht
Früher war meine Libido
ein saftiger Pfirsich.
Heute ist sie ein Pfirsich,
der zu lange in der Sonne lag,
eine Druckstelle hat
und den man nur noch isst,
wenn man wirklich will
und dehydriert ist.
Nicht ungenießbar.
Aber nichts, wofür man sich extra umzieht.
Libido-Schwankungen?
Das ist kein Schalter – das ist ein Fahrplan
Meine Libido kommt heute
nicht spontan.
Sie kommt wie ein Bus auf dem Land:
unangekündigt,
unregelmäßig
und meistens dann,
wenn man gerade keine Zeit hat.
Manchmal gar nicht.
Manchmal kurz.
Manchmal denkt man:
„Ach, du auch mal wieder.“
Und dann ist sie weg.
Jetzt könnte ich natürlich Hormone nehmen, darf ich nur leider nicht, aufgrund meiner Erkrankung von 2014 – leider großer Mist!
Jugendstudie des Grauens
In einer Straßenumfrage
würden 90 % der Jugendlichen nicht wissen,
was Libido ist. Ich behaupte das mal frech in den Raum hinein.
„Libero?“
(Fußball)
„Pallido?“
(blass, nein)
„Lipido?“
(Fett, fachlich okay, thematisch nein)
„Labello?“
(Lippenpflege – immerhin auch Pflege)
Nein.
LIBIDO.
Ach hör doch auf, von den anderen Wörtern kennen die doch auch keines, außer den Fettpflegestift.
Ey.
Bildungslücke geschlossen.
Bitte weitergehen.
Die 7 Todsünden der Wechseljahre
(Oder: Warum das keine Laster, sondern Symptome sind)
1. Libidoverlust
Früher: Leidenschaft.
Heute: „Alexa, spiel Meeresrauschen. Ich bin müde vom Denken.“
2. Zorn
Du hast nur die Nagelfeile gesucht.
Jetzt überlegst du,
ob Gefängnis nicht auch Vorteile hätte. In Ruhe Netflix und so.
3. Trägheit
„Ich sammle nur kurz Kraft.“
Seit drei Tagen.
In Jogginghose.
4. Neid
Auf alles mit Östrogen.
25-Jährige.
Schwangere.
Frauen, die essen wie Obelix
und trotzdem aussehen wie ein Gedankenstrich.
5. Völlerei
Ich habe keinen Hunger, die Zähne brauchen Arbeit.
Weniger Essen???? Scheisse vergessen.
6. Hochmut
Ich weiß alles besser.
Geduld ist tot.
People Pleasing wurde feierlich beerdigt. Direkt neben dem Kriegsbeil (dass ich nur oberflächlich mit Erde bedeckt habe – im Notfall muss sie nur wegblasen.)
7. Habgier
nach Ruhe.
nach Alleinsein.
Und Fuck off.
Niemand, der kaut.
Niemand, der atmet.
Und während ich das schreibe, denke ich:
Das sind keine Todsünden.
Das sind Nebenwirkungen von Klarheit.
Plot Twist, der alles entspannt
Libido ist ursprünglich
nicht auf Sex bezogen, sondern auf alle Triebe. Von Sigmund Feund wurde es sexuell geprägt.
Libido heißt ganz easy simpel:
innerer Antrieb.
Und davon habe ich reichlich.
Ich habe Libido:
mir Möbel zu kaufen, die keiner braucht
frechen Menschen verbal die Frisur zu ruinieren
Aperol zu trinken, obwohl ich weiß, wie es endet
Texte zu schreiben, die man „nicht mehr so sagt“
Also bitte.
Haltet kurz die Luft an.
Kirsche zum Schluss 🍒
Meine Libido ist nicht weg.
Sie hat nur die Abteilung gewechselt.
Weg von:
„Mach mich an.“
Hin zu:
„oh kuck mal, ich brauche dieses Retro Vintage Ding ganz dringend.“
Und das ist in der Tat natürlich auch traurig, aber auch befreiend.
Weil ich zum ersten Mal
nicht funktioniere,
sondern stimme.
Und DAS
macht erstaunlich gute Laune. 🍒
Grüsse gehen raus an meinen Mann….Bussy.
Ach ja … und an Heike, die sich schon Sorgen um ihn gemacht hat…..Doppelbussy.




