🍒 Warum Frauen Orgasmen vorspielen – und warum dieses Theater endlich aufhören muss
Kleine Triggerwarnung vorab:
Der folgende Abschnitt enthält Offenheit, Realität und ein paar Wahrheiten,
bei denen konservative Schlafzimmerkonzepte kurz Schnappatmung bekommen könnten.
Wer glaubt, Sex sei immer so elegant wie ein Parfüm-Werbespot, sollte jetzt kurz einen Schluck Tee nehmen und tief durchatmen.
Alle anderen: Wir reden jetzt Klartext.
Es gibt Themen im Kirschenstübchen, bei denen mir sofort der Blutdruck hochgeht.
Nicht so ein bisschen.
Ich meine: „Der Gute-Nacht-Tee schwappt über den Hello-Kitty-Schlafanzug und die Chips haben mehr Kalorien als vermutet“-hoch.
Ganz vorne dabei:
Diese ewige Frage, die regelmäßig irgendwo aus der Mottenkiste kriecht:
„Merken Männer eigentlich, wenn Frauen einen Orgasmus vortäuschen?“
Ich habe gestern ein Video gesehen.
Ein Arzt erklärt darin sehr ernsthaft, woran Männer angeblich erkennen können, dass eine Frau wirklich zum Höhepunkt kommt.
Ich lag fast unter dem Tisch. Nicht, weil es so aufschlussreich war. Sondern weil ich dachte:
„Bruder.
Du hast offensichtlich noch nie mit drei Frauen und einer Flasche Wein am Küchentisch gesessen, du kleiner, süßer Quacksalber“
Frauen spielen Orgasmen vor. Das ist kein Mythos.
Das ist ein gesellschaftliches Großprojekt mit mehr Schauspiel als in einem kompletten Tatort-Jahrgang.
Und die Gründe dafür sind ungefähr so romantisch wie ein Parkticket.
Manchmal,
weil wir schneller fertig sein wollen.
Manchmal,
weil wir keinen Bock mehr haben.
Manchmal,
weil er keine Ahnung hat.
Und manchmal,
weil sie selbst keine Ahnung hat,
weil weibliche Lust jahrzehntelang ungefähr so erklärt wurde wie Quantenphysik im Kinderbuch.
Dann kommen Pornos ins Spiel.
Diese Filme sind ungefähr so realistisch wie ein James-Bond-Film.
Alles laut.
Alles dramatisch.
Alles komplett an der Realität vorbei.
Wenn Sex wirklich so funktionieren würde, wie Pornos behaupten, würden wir nach zehn Minuten verschwitzt an der Wand lehnen und jemand müsste die Feuerwehr rufen.
Die Wahrheit ist viel unspektakulärer.
Viele Frauen liegen da und denken innerlich:
„Griffel weg.
Runter von mir.
Sonst baue ich dir gleich die Nachttischlampe in dein Fischmäulchen ein.“
Nach außen hört man aber:
„Ja … genau so …“
Oscar.
Golden Globe.
Lebenswerk.
Und jetzt kommt der Teil, den viele nicht hören wollen:
Männer merken das oft nicht.
Nicht, weil sie blöd sind.
Sondern weil sie denselben Quatsch gelernt haben.
Pornologie statt Biologie.
Ich habe mit Frauen gesprochen, die noch nie beim Sex einen Orgasmus hatten.
Noch nie.
Und trotzdem jahrelang so getan haben, als würde jeden Abend ein Feuerwerk stattfinden.
Wenn man darüber nachdenkt, ist das komplett absurd.
Das ist ungefähr so, als würdest du jedes Wochenende in ein Restaurant gehen und laut rufen:
„Fantastisch! Großartig!“
Während du heimlich die Nudeln in die Serviette wickelst und auf dem Heimweg noch bei der Dönerbude hältst.
Irgendwann habe ich beschlossen:
Ich mache das nicht mehr. Kein Schauspiel. Keine Geräuschkulisse.
Kein „Oh mein Gott“, wenn ich innerlich denke:
„Wenn du noch einmal denselben Bewegungsablauf machst, rufe ich deine Mutter an.“
Das Leben ist zu kurz für Performance-Sex. Ich bin keine Theaterbühne.
Und er ist kein Publikum mit Popcorn.
Ich habe sogar versucht, meinen Kindern etwas sinnvolles zu diesem Thema beizubringen.
Mit meinem Sohn war das Gespräch kurz.
Mit vierzehn sagte er:
„Mama. Ich hab’s verstanden. Es reicht jetzt.“ Alles klar. Wer will denn auch schon mit seiner Mum über die Bedürfnisse der Girlzzzz sprechen. Logo – keiner!
Das war der Moment, in dem ich beschlossen habe, den Mund zu halten.
Zumindest teilweise.
Mit meinen Töchtern war das anders.
Eine von ihnen ist heute meine härteste Kritikerin. Ehrlicher geht es wirklich nicht mehr.
Und gleichzeitig schon viel weiter als ich es mit zwanzig war.
Das finde ich großartig.
Wir haben sogar schon mit einem Glas Wein den berühmten Harry-und-Sally-Moment nachgespielt. Wer besser einen Orgasmus vortäuschen kann.
Spoiler:
Frauen gewinnen.
Locker.
Wir trainieren das nämlich seit Jahrzehnten.
Aber vielleicht sollten wir einfach damit aufhören. Mit dem Schauspiel.
Mit dem höflichen Lächeln für mittelmäßige Performance.
Denn Sex ist kein IKEA-Regal. Man muss nicht am Ende sagen: „Passt schon.“
Und jetzt kommt noch eine Information, die erstaunlich selten erwähnt wird:
Im Geburtskanal gibt es kaum Nerven.
Sonst würde bei jeder Geburt die Hälfte der Menschheit direkt ins Nirvana taumeln.
Macht mit dieser Information, was ihr wollt.
Aber denkt mal kurz darüber nach.
Und wenn wir wirklich ehrlich wären, würden viele Männer wahrscheinlich kurz still werden
und sagen:
„Moment mal …“
„Du meinst, das war nicht immer echt?“
Und wir würden antworten:
„Schatz.
Ich habe auch mal so getan, als würde mir dein 12-Minuten-Erklärvideo über Grillthermometer Spaß machen.“
🍒 Kirsche zum Schluss
Vielleicht ist das Problem gar nicht Sex.
Vielleicht ist das Problem, dass Frauen jahrzehntelang gelernt haben, nett zu sein.
Rücksichtsvoll.
Anpassungsfähig.
Sogar im Bett.
Aber weißt du was?
Ich bin inzwischen zu alt, um unter der Bettdecke noch Schauspielunterricht zu geben.
Wenn etwas gut ist, sage ich es.
Wenn nicht, sage ich das auch.
Nicht böse.
Nur ehrlich.
Und ganz ehrlich:
Die meisten Männer würden die Wahrheit wahrscheinlich viel besser verkraften als wir denken.
Aber die gesamte Orgasmus-Schauspielindustrie würde sofort Insolvenz anmelden.
Und das wäre vielleicht das erste wirklich ehrliche Happy End seit sehr langer Zeit. 🍒




